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Fürstenhagen

Luftaufnahme FürstenhagenHat sich neben der der Kernstadt zur einwohnerstärksten Gemeinde entwickelt.

1312 wird Fürstenhagen erstmals urkundlich erwähnt. In einer Urkunde des Klosters Weißenstein vom 13. März 1312 bezeugt Conrad von "Vorstenhagen" den Kauf von Land. Die Schreibweise des Ortsnamens änderte sich mehrmals, so hieß er 1376 "Fustinhain", 1383 "Fürstenhain",1454 "Fürstenhayn".

Die Kirche in ihrer heutigen Gestalt, mit Ausnahme des Turmoberteils, wurde 1489 im spätgotischen Stil erbaut. Sie war den Heiligen Nikolaus und Katharina geweiht. Eine Malstätte, die 1956 einen würdigen Rahmen erhielt und unterhalb der Kirche unter den Linden liegt, weist auf das bis zum Jahr 1532 gehaltene eigene Gericht hin.

Der Stadtteil, 3 km westlich von Hessisch Lichtenau, liegt an der Bundesstraße 7 und an der Bundesbahnstrecke Kassel-Waldkappel und ist heute neben der Kernstadt der einwohnerstärkste mit 2316 Einwohnern.

Das war nicht immer so. Jahrhundertelang war Fürstenhagen ein verhältnismäßig kleines Dorf. Erst ab 1832 lag es an einer Landesstraße, der hessisch-thüringischen oder Leipziger Straße. Einen kleinen Aufschwung brachte auch die 1879 entstandene Kassel-Waldkappeler Eisenbahn.

Kurz vor dem Ersten Weltkrieg wurden die drei großen Gebäude der Lenoirschen Stiftung am Ortsausgang nach Hessisch Lichtenau als Waisenhaus errichtet.

Von 1950 bis Juli 1983 waren das Auguste-Förster-Haus, das Kinderheim der Stadt Kassel, sowie die Elisabeth-Knipping-Schule (Fachschule für Sozialpädagogik) dort untergebracht. Neben den Gebäuden befindet sich das Mausoleum der Brüder Lenoir.

Die Einwohnerschaft nahm besonders vor und während des Krieges von 1939 bis 1945 und danach durch die Aufnahme von Heimatvertriebenen stark zu. Die Gemeinde hat in den Nachkriegsjahrzehnten großartige Leistungen auf allen Gebieten vollbracht, von denen nur einige genannt werden können.

Der Wohnungsbau wurde außerordentlich gefördert, um der Wohnungsnot Herr zu werden. Seit 1947 besteht das Krankenhaus, das von Dr. med. Ernst Froelich und seiner Frau gegründet wurde. Rechtsträger war zunächst die Innere Mission und seit dem 1. Januar 1954 der "Krankenhausverein e. V. Hessisch Lichtenau".

In Gemeinschaftsarbeit haben sich die heimatvertriebenen Katholiken 1949 ein eigenes Gotteshaus, die Maria-Hilf-Kapelle, gebaut.

Das neue Schulgebäude wurde in mehreren Bauabschnitten von 1949 bis 1952 errichtet. Die Evangelische Kirchengemeinde war bis 1951 ein Vikariat der Pfarrei Hessisch Lichtenau und wurde in 1986 selbständige Pfarrei. Sie verfügt seit 1980 über ein neues Gemeindehaus.

Der Gemeinde wurde am 10. Juli 1958 die Genehmigung zur Führung eines Wappens und am 11. Mai 1960 zur Führung einer Flagge erteilt.

Anläßlich der 650-Jahr-Feier konnte am 29. Juli t962 die Mehrzweckhalle ihrer Bestimmung übergeben werden. Tags zuvor war die Verschwisterung mit Schlierbach/ Osterreich erfolgt.

Im Rahmen des Lossetalfestes, das zu den ständigen Einrichtungen des Stadtteils gezählt werden kann, wurde am 2. Juli 1966 die Ringverschwisterung zwischen Orgelet (Frankreich), Schlierbach (Österreich) und Fürstenhagen feierlich vollzogen. Die Verleihung der Europa-Ehrenfahne erfolgte 1979.


 

-Persönlichkeiten-

 

Richard Assmann – akad. Maler und Grafiker

Richard Assmann.jpg

Richard Assmann wurde am 27. Nov. 1887 in Troppau/ Sud. Geboren. Nach Schulbesuch legte er 1906 an der k.u.k. Kunstakademie in Wien die Aufnahmeprüfung ab. Schon früh erkannte man sein Talent und wurde mit der Goldenen Füger- Medaille für eine am saubersten ausgeführte Perspektivkonstruktion ausgezeichnet.
Nach der Vertreibung aus dem Sudetenland fand er mit seiner Ehefrau Margit (seine erste Gattin verstarb sehr früh) eine neue Heimat in Fürstenhagen, in der Siedlung.
Neben Porträtzeichnungen und Auftragszeichnungen für große Jägerzeitungen verdiente er seinen Unterhalt als Kunstmaler und Grafiker.
Doch schnell war Richard Assmann als Maler und Grafiker gefragt, unzähliger Werke entstanden in seinem Atelier, u.a. Bilder mit den Motiven aus dem Sudetenland, Fürstenhagen, Hessisch Lichtenau und aus dem Raum Witzenhausen und Kassel.
Ein Gemälde mit einer Szene aus dem Sudetenland befindet sich heute in einer Galerie in New York.
Am 1.6.1965 starb Richard Assmann in Fürstenhagen, seine letzte Ruhe fand er auf dem Westfriedhof in München.
Anlässlich seines 30. Todestages (1995) fand in der Fürstenhagener Mehrzweckhalle eine beachtenswerte „ Richard Assmann Gemäldeausstellung“ statt.
Eine Straße in Fürstenhagen erinnert heute an den großen Maler und Grafiker.

-Persönlichkeiten-

Krawaller.jpgJohannes Kregelius- der Schalkswirt von Fürstenhagen Johannes Kregelius erblickte am 8. Febr.1826 das Licht der Welt in Oelshausen, im früheren Kreis Wolfhagen. 1862 kaufte er das landwirtschaftliche Anwesen an der Leipziger Straße in Fürstenhagen und baute dies zu einem großen landwirtschaftlichen Betrieb und Gaststätte aus. Schon bald war die Gastwirtschaft „ Zum Krawaller“ in Hessen in aller Munde und man sagte: „In Fürstenhagen gewesen und den Krawaller nicht gesehen oder gehört, das ist, wie in Berlin den Kaiser verpasst“. Am 30. März 1913 verstarb J. Kregelius, seine letzte Ruhe fand er neben seiner Frau auf dem Fürstenhagener Friedhof. Die Grabstätte ist heute noch vorhanden. Bis 1970 war die Gaststätte in Familienbesitz, heute befindet sich an dieser Stelle eine Ärztehaus. Eine Gedenktafel an der Hausfront erinnert an den „ Krawaller“. Der Carneval Club Fürstenhagen (CCF) verleiht jährlich, als Erinnerung an den Schalkswirt, den Schelmenorden an Persönlichkeiten des Ortes oder an Freunde des Karnevals. Viele Anekdoten ranken sich noch heute um den Krawaller, z.B. „ Der Krawaller als Schulrat“, „ Der Krawaller als Pfarrer“, „Der Krawaller und die Jäger“. In der Fürstenhagener Festschrift, herausgegeben im Jahr 1962, sind einige Anekdoten zu finden.